Sitting in the Power und die Entwicklung der eigenen Medialität

Es gibt viele Meditationen, die eignen sich hervorragend zum Entspannen, um Achtsamkeit zu entwickeln, oder ein Gefühl von innerem Frieden zu schaffen. Es gibt jedoch nur sehr wenige Meditationen, die geeignet sind, die eigene Medialität zu entwickeln.

Die meditative Praxis für Entwicklung der eigenen Medialität muss über das Erreichen eines Zustands von Achtsamkeit weit hinausgehen. Sie muss es einem ermöglichen, den Status des Bewusstseins so zu verändern, dass man sich mit der geistigen Welt verbinden kann, und so ein Teil von ihr wird. Weiter baut man durch diese Meditationspraxis eine Beziehung zur eigenen Seele und der Geistigen Welt auf. Daher sollte die „Sitting in the Power“-Meditation im Zentrum der eigenen medialen Entwicklung stehen. Ich bin mir sicher, dass jedes wahre Medium, mit seiner Fähigkeit geboren wird. In diesem Sinne ist Medialität ein Geschenk, das aus der geistigen Welt mit ins Leben kommt, und nichts was man lernen kann.

Die erste Stufe bei der Entwicklung seiner Fähigkeiten ist, für sich selbst zu sicher zu wissen, dass die Fähigkeiten der Medialität da sind. Dafür muss man unbedingt die Realität der eigenen Seele erfahren, eine ehrliche Beziehung zu sich selbst aufbauen und kultivieren: Kurz man muss sich selbst, seine Stärken, seine Schwächen und Glaubenssätze kennenlernen, sozusagen das „Wer bin ich“ für sich klären. Diese Zeit des Sich-selbst-Kennenlernens und der Selbstreflexion ist die Zeit, in der das spirituelle Bewusstsein entwickelt wird. Diese spezielle Zeit ist ein grundlegender Bestandteil in der Entwicklung eines Mediums, und dennoch wird dies heutzutage von den meisten ignoriert und übersehen.

Die Fokussierung und Stille des Geistes

Der erste Aspekt der Meditation, der gemeistert werden muss, ist die Fähigkeit einen Fokus und eine Stille im Geist zu finden. Es wird in den meisten Fällen davon ausgegangen, dass ein meditativer Status einen leeren Geist erfordert. Das ist nicht der Fall. Es ist schlicht unmöglich, nicht zu denken! Wie schon der Philosoph René Descartes1 schrieb: „cogito ergo sum“ „Ich denke, also bin ich.“

Das was man als Erstes herausfindet, wenn man seine Augen schließt und sich auf den Rhythmus seines Atems konzentriert ist, dass so simple Gedanken wie „Habe ich den Ofen ausgemacht?“ den eigenen Verstand beschäftigen. Es gibt jetzt zwei Optionen damit umzugehen: Erstens, man kann zulassen, dass sich dieser Gedanke weiterentwickelt und beginnt, ein Eigenleben zu führen; oder zweitens kann man den Gedanken einfach anerkennen, ihn zur Seite schieben und sich dann wieder auf seinen Atem konzentrieren. Bei der zweiten Option wird man schnell herausfinden, dass die Gedanken sich beruhigen und sich eine Stille über den Geist ausbreitet. Diesen Zustand kann man nur sehr schwer beschreiben, zum einen ist man sich bewusst was um einen herum vorgeht, auf der anderen Seite gibt es einen Fokus indem kein besonderer Gedanke im Vordergrund steht. Das ist die Stille die erforderlich ist.

Eine solche Stille kann durch das Fokussieren auf den eigenen Atemrhythmus erreicht werden. Durch das Folgen des eigenen natürlichen Atemrhythmus´ beginnt man in das Natürliche einzudringen, den Rhythmus des Lebens selbst. Es ist eine Kombination aus Fokussierung und Entspannung, die neben der Disziplin die Gedanken anzunehmen und beiseite zu schieben, die weltlichen Gedanken des Alltags beruhigt und den Geist schließlich still werden lässt.

Diesen Zustand zu erreichen, und das Denken abzuschalten ist aus mehreren Gründen wichtig: Erstens erzeugt es ein Gefühl von Achtsamkeit: indem man dem Geist erlaubt, still zu werden, bekommt man ein intensiveres Gefühl für sich selbst. Zweitens, wenn der Bewusstseinszustand beginnt sich auf natürliche Weise zu verändern und zu vertiefen, fangen die Gefühle der Seele sich an zu regen. Diese Gefühle durchbrechen die Stille und lassen die innere Realität erleben. Nur mit einem Verstand, der ohne Erwartung in der Stille ist, ist es möglich, dass man die Realität der Seele und der Geistigen Welt erfährt.

Sich der eigenen Seele bewusst werden

Sobald der Schritt „die Stille des eigenen Geistes“ erreicht ist, kommt die nächste Stufe, „die Realität der eigenen Seele“ erfahren. Die Gabe der Medialität ist ein Ausdruck der Seele. Ein Medium wird auf seinem Weg feststellen, dass die Schwächen der eigenen Medialität nur eine Reflexion der Schwächen sind, die in ihm selbst vorhanden sind. Um die eigene Medialität zu stärken müssen die uns innewohnenden Schwächen verstanden werden und in unserem täglichen Leben gestärkt. Diese Praxis hat wiederum eine positive Auswirkung auf die eigene Medialität.

Um die eigene Medialität zu verstehen, muss ein Medium zuerst sein eigenes Selbst verstehen. Das bedeutet, es muss eine ehrliche, objektive Beziehung zu seinem wahren Selbst, seiner Seele, aufbauen und immer weiter pflegen. Wenn ein Medium sich bemüht das zu tun, begibt es sich auf seine ganz persönliche spirituelle Reise.

Während der „Sitting in the Power“- Meditation muss man sich nicht zwingen eine Beziehung zu seinem Selbst, seiner Seele, aufzubauen. Stattdessen soll man einfach ohne Erwartungshaltung, das etwas passiert meditieren; einfach offen sein, die eigene Seele zu entdecken und zu spüren reicht.

Durch regelmäßige Übung beginnt sich, in kleinen Schritten allmählich ein Bewusstsein für die eigene „Seele und ihre Kraft“ zu entwickeln. Langsam kommen bestimmte Emotionen und Erfahrungen, mit denen das Medium in seinem bisherigen Leben konfrontiert wurde an die Oberfläche. Dies ist ein enorm wichtiger Prozess! Was da an die Oberfläche kommt beeinflusst das Leben, die Handlungen, die Sichtweise und die medialen Fähigkeiten des Mediums: das können Erfahrung sein, von denen man glaubte geheilt worden zu sein; Emotionen, die einen beeinflussen, aber deren Bedeutung nicht klar ist. Es kann auch eine Eigenschaft sein, und man weiß noch nicht, dass es man sie besitzt, aber man muss sich dieser Eigenschaft bewusst werden, damit sie weiterentwickelt und gestärkt werden kann.

Diese persönliche spirituelle Reise ist eine Achterbahnfahrt: Es gibt viele Höhen und Tiefen, die durchlebt werden müssen. Dies ist ein natürlicher Teil des Entwicklungsprozesses und er zwingt ein Medium, sein Selbst und sein Leben zu untersuchen, zu überdenken und neu zu gestalten. Unsere Seele teilt sich uns durch Gefühle mit, durch das Erleben dieser Erfahrungen und Gefühle, indem wir uns ihnen stellen, indem wir sie verstehen und adäquat ausdrücken, fangen wir an, unsere Gefühle und uns zu verändern. Es ist immens wichtig, dass ein Medium sich selbst kennenlernt, und die Realität seiner Seele erlebt und versteht.

Dieser Prozess stärkt natürlich die medialen Eigenschaften, die vorhanden sind und bringen sie an die Oberfläche, in das Bewusstsein des Mediums. Gleichzeitig bereitet er auch auf die Arbeit als Medium vor. Ein Medium muss emotional, mental, körperlich und geistig stark, ausgeglichen und stabil sein. Während einer übersinnlichen oder medialen Kommunikation wird die Seele des Klienten, oder des Kommunikators aus der geistigen Welt, Emotionen und Erfahrungen, die auch in der Seele des Mediums vorhanden sind, anstoßen. Wenn ein Medium keine Stabilität in diesen Emotionen und Erfahrungen hat, wenn es nicht davon geheilt ist, und es nicht gelernt hat, sie zu verstehen und zu artikulieren werden sich zwei Dinge ergeben: Erstens, wenn die Erfahrung für das Medium noch zu schmerzhaft ist, kann der Kommunikator diese Erfahrung nicht anstoßen, was die mediale Kommunikation begrenzt; und Zweitens, wenn es angestoßen werden kann, das Medium aber noch nicht geheilt ist, oder es noch nicht verstanden hat und somit noch keine Stabilität in der Erfahrung und dem Gefühle hat, dann kann das Medium die Kommunikation leicht mit eigenen Ängsten, Unsicherheiten, Ärger usw. färben und diese auf den Empfänger projizieren.

Eine Beziehung zur Geistigen Welt aufbauen

Im zweiten Teil der „Sitting in the Power“- Meditation vereinigt sich die Seele des Mediums mit der Kraft der geistigen Welt. Während der Meditation sollte das Medium bewusst keinen Kontakt mit jemanden aus der Geistigen Welt suchen, sondern sich nur mit der geistigen Welt verbinden, ein Teil von ihr werden. Es kommt vor, dass das Medium sich einer Person aus der Geistigen Welt bewusst wird, oder es tiefe spirituelle Erfahrungen macht. Dies geschieht normalerweise, wenn das Medium beginnt, seine Beziehung zur geistigen Welt zu vertiefen und diese zunehmend zu einer Realität für das Medium wird. Wenn solche Erfahrungen spontan und ohne Erwartungshaltung eintreten, dann können sie einfach zugelassen werden.

Ein Medium sollte die „Sitting in the Power“ – Meditation nicht mit der Absicht beginnen einen Kontakt zu Einzelpersonen in der geistigen Welt aufzunehmen, oder mit der Erwartung das eine spirituelle Erfahrung stattfindet. Die Aufgabe ist sich mit der Kraft der geistigen Welt zu verbinden, ein Teil von ihr zu werden und ihre Kraft zu erfahren. Wenn das Medium, vielleicht auch nur für kurze Momente, die Realität der geistigen Welt erlebt hat, dann hat das auch die die Akzeptanz der Realität dieser Welt, und die der eigenen Seele geweckt. Und nur wenn das erreicht wurde, ist das Medium in der Lage, seine Fähigkeiten für Kommunikation, Heilung usw., zu nutzen

Die „Sitting in the Power“- Meditation stärkt nicht nur die Fähigkeit des Mediums einen Kontakt zur geistigen Welt herzustellen, sondern auch die Kraft den Kontakt über einen längeren Zeitraum zu halten. Während der Kommunikation muss das Medium sein Bewusstsein in der geistigen und der physischen Welt haben, und das während der gesamten Demonstration, oder des Einzeltermins.

Die „Sitting in the Power“- Meditation hilft dem Medium sein Bewusstsein, eine immer längere Zeitspanne, in der geistigen Welt zu halten. Darüber hinaus bietet sie aber auch der geistigen Welt die Gelegenheit mit der Energie des Mediums zu experimentieren, um herauszufinden wie sie am besten mit dem Medium arbeiten kann. Die Meditation bietet den Guides und Helfern des Mediums die Möglichkeit, eine Bindung und Beziehung zu ihrem Medium aufzubauen, und das Medium kann sich so bewusst werden, wer in der geistigen Welt mit ihm zusammenarbeitet. Die Beziehung eines Mediums zur geistigen Welt ist eine gleichwertige Partnerschaft mit seinen Guides und Helfern. Während das Medium lernen muss, mit der geistigen Welt zu arbeiten, müssen auch diejenigen in der geistigen Welt lernen, mit dem Medium zu arbeiten. Das Medium muss eine echte, vertrauensvolle Freundschaft mit denjenigen aus der geistigen Welt die mit ihm arbeiten, aufbauen.

Auf den Punkt gebracht heißt das, wenn das Medium täglich in der Power der eigenen Seele und der geistigen Welt sitzt, bildet das ein starkes Fundament, für die eigene Medialiät. Es baut sich eine starke, tragfähige Beziehung zu denjenigen in der geistigen Welt und zum eigenen Selbst auf. Auf diesem Fundamentbasiert die weitere Entwicklung des Mediums und der Ausdruck der eigenen Medialität findet hier unendliche Möglichkeiten.

Ich bin mir sicher, dass ein Medium sein Potenzial niemals ausschöpfen kann, ohne diesen Weg der spirituellen Entwicklung gegangen zu sein und die „Sitting in the Power“- Meditation zu beherrschen. Für genauso wichtig erachte ich die aufrichtige Selbstreflexion und das Gebet, als Bitte um Unterstützung für die eigene Entwicklung.

Noch ein paar Tipps für eine erfolgreiche „Sitting in the Power“- Meditation

Stiller Körper, stiller Verstand: Obwohl ich über die Wichtigkeit der Stille des Verstandes schon weiter oben geschrieben habe, möchte ich hier nochmal ausdrücklich darauf hinweisen wie wichtig es ist, auch den Körper ruhig zu halten. Jede körperliche Bewegung wird die Aufmerksamkeit sofort wieder zurück in die physische Welt bringen und die Übung abbrechen.

Es empfiehlt sich die „Sitting in the Power“- Meditation ohne Musik zu machen, Musik hält die Aufmerksamkeit in der physischen Welt. Auch wenn es zunächst unlogisch klingt, soll die Meditation geübt werden, wenn der Geist besonders wach und aufmerksam ist. Ist der Geist schon leicht lethargisch und müde, passiert es sehr schnell, dass man bei der Meditation einschläft und das ist nicht das Ziel, sondern sie soll einen klaren Fokus haben und dazu muss der Geist wach sein.

Es muss eine tägliche Routine mit der „Sitting in the Power“- Meditation aufgebaut werden, sie soll jeden Tag praktiziert werden. JEDEN TAG! Zu Beginn mit 10 oder mehr Minuten täglich, und jeden Monat werden weitere 5 Minuten hinzugefügt bis die Meditation eine Stunde dauert. Es besteht keine Notwendigkeit die „Sitting in the Power“ Meditation länger als eine Stunde zu praktizieren.

Meditation ist eine Praxis, und muss geübt werden. Es braucht viele Stunden der Übung, um sie zu meistern, und es braucht dafür Ausdauer, Disziplin, Engagement und Hingabe.

1 Descartes gilt als der Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus. Sein rationalistisches Denken wird auch Cartesianismus genannt. Von ihm stammt der das berühmte „Cogito ergo Sum“ („Ich denke, also bin ich“). Es bildet die Grundlage seiner Metaphysik und hat das Selbstbewusstsein als genuin philosophisches Thema eingeführt. Seine Auffassung bezüglich der Existenz zweier miteinander wechselwirkender, voneinander verschiedener „Substanzen“ – Geist und Materie – wird als Cartesianischer Dualismus bezeichnet. 

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