Warum bin ich eigentlich hier?
Warum begegnen mir bestimmte Themen in meinem Leben immer wieder?
Warum gibt es Erfahrungen, die mich viel stärker prägen als andere?
Und gibt es vielleicht einen roten Faden, den ich bisher noch gar nicht erkannt habe?
Solche Fragen entstehen häufig nicht in den einfachen Zeiten unseres Lebens.
Sie tauchen auf, wenn etwas nicht mehr zusammenpasst. Wenn eine Beziehung scheitert. Wenn Du beruflich an einem Punkt angekommen bist, an dem Du nicht mehr weitermachen möchtest wie bisher. Wenn sich bestimmte Situationen wiederholen. Oder wenn Du irgendwann zurückblickst und feststellst:
Da gibt es Themen, die mich offenbar schon sehr lange begleiten.
Aus spiritueller Sicht gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, solche Erfahrungen zu betrachten.
Eine davon ist die Vorstellung eines Seelenplans.
Für mich bedeutet Seelenplan allerdings nicht, dass irgendwo ein vollständiges Drehbuch Deines Lebens existiert.
Ich glaube nicht, dass jeder Mensch, jede Begegnung, jeder Verlust und jede Deiner Entscheidungen bereits vor Deiner Geburt bis ins Detail festgelegt wurde.
Ich verstehe einen Seelenplan vielmehr als eine Ausrichtung auf bestimmte Erfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Denn wenn Dein Leben bereits vollständig festgeschrieben wäre, gäbe es letztlich wenig zu entscheiden.
Entwicklung wäre dann nur noch das Abarbeiten eines vorgegebenen Programms.
Meine Sicht ist eine andere:
Wir können Entwicklungsmöglichkeiten mitbringen. Aber wir entscheiden mit darüber, was wir aus ihnen machen.
Was ist ein Seelenplan?
Der Begriff „Seelenplan“ wird in spirituellen Zusammenhängen sehr unterschiedlich verwendet.
Häufig steckt dahinter die Vorstellung, dass eine Seele bestimmte Erfahrungen oder Entwicklungsthemen mit in dieses Leben bringt.
Das wird manchmal so interpretiert:
„Dann war also alles vorherbestimmt.“
Genau so verstehe ich es nicht.
Für mich ist ein Seelenplan eher mit einer Grundausrichtung vergleichbar als mit einem Stundenplan.
Vielleicht gibt es bestimmte Themen, mit denen Du Dich in Deinem Leben intensiver auseinandersetzt:
Vertrauen.
Selbstbestimmung.
Verantwortung.
Grenzen.
Zugehörigkeit.
Mut.
Selbstachtung.
Loslassen.
Oder die Fähigkeit, Deinen eigenen Weg zu gehen.
Aber selbst wenn eines davon ein wichtiges Entwicklungsthema Deines Lebens wäre, folgt daraus nicht, wie Du ihm begegnen wirst.
Nehmen wir Selbstbestimmung.
Ein Mensch erlebt dieses Thema vielleicht in seiner Partnerschaft.
Ein anderer im Beruf.
Ein anderer im Verhältnis zu seinen Eltern.
Und ein weiterer erkennt vielleicht erst mit 60 Jahren, wie lange er Entscheidungen danach getroffen hat, was andere von ihm erwarten.
Das Entwicklungsthema könnte ähnlich sein.
Die Lebenswege können vollkommen unterschiedlich aussehen.
Lebensaufgabe bedeutet nicht automatisch Lebensmission
Auch der Begriff Lebensaufgabe kann schnell Druck erzeugen.
Viele Menschen stellen sich darunter etwas Großes vor:
Ich muss meine Berufung finden.
Ich muss etwas Besonderes leisten.
Ich muss herausfinden, wozu ich auf dieser Welt bin.
Ich muss endlich meine „wahre Aufgabe“ erfüllen.
Aber vielleicht besteht eine wichtige Lebensaufgabe gar nicht darin, etwas Bestimmtes zu tun.
Vielleicht besteht sie darin, etwas zu entwickeln.
Grenzen setzen zu lernen.
Dir selbst zu vertrauen.
Nicht mehr ständig die Verantwortung für andere zu übernehmen.
Dich nicht länger anzupassen, damit niemand enttäuscht von Dir ist.
Nähe zuzulassen.
Deine Fähigkeiten tatsächlich zu nutzen.
Oder Deine eigenen Bedürfnisse genauso ernst zu nehmen wie die der Menschen um Dich herum.
Das verändert die Suche.
Statt:
„Was ist meine große Lebensaufgabe?“
könntest Du fragen:
„Welches Thema fordert mich in meinem Leben immer wieder dazu auf, etwas in mir weiterzuentwickeln?“
Das ist häufig eine viel ergiebigere Frage.
Ein Seelenplan ist keine Liste von Prüfungen, die Du bestehen musst
Ich halte eine Vorstellung für problematisch, nach der jede Schwierigkeit automatisch eine spirituelle Lernaufgabe sein soll.
„Das musst Du eben lernen.“
„Diese Beziehung ist karmisch.“
„Das hat sich Deine Seele ausgesucht.“
„Da musst Du jetzt durch.“
Aus Entwicklung wird damit schnell eine spirituelle Pflichtveranstaltung.
Und im schlimmsten Fall bleiben Menschen dadurch länger in Situationen, die ihnen nicht guttun, weil sie glauben, sie dürften erst gehen, wenn sie ihre „Aufgabe“ erfüllt haben.
Deshalb ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig:
Etwas kann eine Entwicklung in Dir auslösen, ohne dass es deshalb geschehen musste.
Du kannst beispielsweise nach einer schmerzhaften Trennung sehr viel über Dich erkennen.
Vielleicht verstehst Du ein Beziehungsmuster.
Vielleicht lernst Du, Deine Grenzen ernst zu nehmen.
Vielleicht stellst Du fest, wie lange Du Deine Bedürfnisse zurückgestellt hast.
Diese Entwicklung beweist nicht, dass die Trennung notwendig oder vorbestimmt war.
Sie beschreibt, was Du aus einer Erfahrung entwickelt hast.
Das ist etwas anderes.
Sinn finden bedeutet nicht, dass etwas „so kommen musste“
Menschen versuchen ganz natürlicherweise, Erfahrungen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
Auch die Psychologie beschäftigt sich damit.
Unter dem Begriff narrative Identität wird untersucht, wie Menschen aus Erinnerungen, Erfahrungen und Vorstellungen über ihre Zukunft eine innere Lebensgeschichte entwickeln.
Wir fragen uns:
Was hat mich geprägt?
Was habe ich daraus gelernt?
Wer bin ich dadurch geworden?
Wie passen verschiedene Erfahrungen meines Lebens zusammen?
Interessanterweise zeigen Untersuchungen Zusammenhänge zwischen bestimmten Formen dieser persönlichen Sinnbildung, dem Erleben eigener Handlungsfähigkeit und Wohlbefinden.
Das ist kein wissenschaftlicher Beweis für einen Seelenplan.
Und ich möchte beides auch nicht miteinander vermischen.
Aber es zeigt etwas Interessantes:
Wie wir unsere Erfahrungen einordnen, beeinflusst, was sie für unser weiteres Leben bedeuten.
Deshalb würde ich nach einer schwierigen Erfahrung nicht vorschnell fragen:
„Wofür musste das gut sein?“
Ich finde eine andere Frage hilfreicher:
„Was möchte ich heute daraus machen?“
Du musst Deinem Leid keinen höheren Sinn geben.
Aber Du kannst entscheiden, ob und wie eine Erfahrung Teil Deiner weiteren Entwicklung wird.
Bedeutet ein Seelenplan, dass alles vorherbestimmt ist?
Für mich eindeutig: Nein.
Ein wesentlicher Bestandteil meiner Vorstellung vom Seelenplan ist der freie Wille.
Du triffst Entscheidungen.
Andere Menschen treffen Entscheidungen.
Diese Entscheidungen beeinflussen sich gegenseitig.
Dazu kommen Lebensumstände, gesellschaftliche Bedingungen, körperliche Voraussetzungen, Zufälle und vieles andere.
Ein Mensch lebt nicht in einem spirituellen Vakuum.
Und wenn jede Entscheidung bereits festgelegt wäre, stellt sich für mich eine ganz grundsätzliche Frage:
Was sollte dann überhaupt entwickelt werden?
Du kannst erkennen, dass Dir etwas nicht guttut – und trotzdem bleiben.
Du kannst verstehen, dass Du eine Grenze setzen solltest – und sie trotzdem nicht setzen.
Du kannst eine Fähigkeit besitzen – und sie nie nutzen.
Du kannst eine Möglichkeit bekommen – und Dich dagegen entscheiden.
Entwicklung braucht deshalb für mich Entscheidungsspielraum.
Ein hilfreiches spirituelles Weltbild sollte Dir diesen Spielraum nicht nehmen.
Es sollte ihn vergrößern.
Wiederholt sich ein Thema – oder wiederholst Du ein Muster?
Hier wird es besonders interessant.
Wenn Du sagst:
„Das passiert mir immer wieder“,
bedeutet das nicht automatisch, dass Du gerade Deinen Seelenplan entdeckt hast.
Wiederholungen können ganz unterschiedliche Ursachen haben.
Vielleicht verhältst Du Dich in bestimmten Situationen ähnlich.
Vielleicht reagierst Du aufgrund früherer Erfahrungen immer wieder auf dieselbe Weise.
Vielleicht suchst oder tolerierst Du unbewusst ähnliche Konstellationen.
Und vielleicht begegnet Dir tatsächlich in unterschiedlichen Lebensbereichen immer wieder dasselbe Entwicklungsthema.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Angenommen, Du hast immer wieder Schwierigkeiten in Beziehungen.
Dann wäre die schnelle spirituelle Erklärung:
„Partnerschaft ist offenbar meine Lebensaufgabe.“
Aber vielleicht ist Partnerschaft gar nicht das eigentliche Thema.
Schau weiter.
In Deiner Familie fällt es Dir schwer, Nein zu sagen.
In Beziehungen stellst Du Deine Bedürfnisse zurück.
Im Beruf übernimmst Du Aufgaben, obwohl Du längst überlastet bist.
Freunde können jederzeit auf Dich zählen – aber Du bittest selbst kaum um Hilfe.
Äußerlich sind das vollkommen unterschiedliche Situationen:
Familie.
Partnerschaft.
Beruf.
Freundschaften.
Innerlich könnte aber überall dasselbe Thema auftauchen:
Wo bleibe eigentlich ich?
Dann könnte das tiefere Entwicklungsthema beispielsweise Selbstbestimmung, Grenzen oder Selbstachtung sein.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Suche deshalb nicht nur nach Situationen, die sich wiederholen. Suche nach dem inneren Thema, das sich in unterschiedlichen Situationen wiederholt.
Muster und Entwicklungsthema sind nicht dasselbe
Diese beiden Dinge würde ich ebenfalls auseinanderhalten.
Ein Muster beschreibt eher, wie Du immer wieder reagierst oder handelst.
Zum Beispiel:
Du sagst Ja, obwohl Du Nein meinst.
Du vermeidest Konflikte.
Du ziehst Dich zurück, sobald Dir jemand zu nahe kommt.
Du übernimmst Verantwortung, die eigentlich nicht Deine ist.
Ein Entwicklungsthema liegt eine Ebene darunter.
Es könnte beispielsweise um Grenzen, Vertrauen, Selbstbestimmung oder Nähe gehen.
Das Muster könnte also sein:
Ich sage nicht Nein.
Das dahinterliegende Thema könnte sein:
Ich darf meine eigenen Bedürfnisse ernst nehmen, auch wenn jemand anderes davon enttäuscht ist.
Diese Unterscheidung ist wichtig.
Denn wenn Du nur das Muster erkennst, weißt Du:
Was tue ich?
Wenn Du das dahinterliegende Thema erkennst, beginnst Du zu verstehen:
Worum geht es für mich eigentlich?
Und genau dort beginnt persönliche Entwicklung interessant zu werden.
Vorsicht vor dem Seelenplan, der genau das bestätigt, was Du ohnehin möchtest
Hier lohnt sich eine Portion gesunder Skepsis.
Angenommen, Du möchtest unbedingt eine bestimmte Entscheidung treffen.
Und dann findest Du plötzlich überall Hinweise darauf, dass genau dieser Weg zu Deinem Seelenplan gehört.
Das kann stimmen.
Es kann aber auch etwas sehr Menschliches passieren:
Wir nehmen Informationen leichter wahr, wenn sie zu dem passen, was wir ohnehin glauben oder uns wünschen.
Das wird in der Psychologie unter anderem als Bestätigungsfehler beschrieben.
Deshalb halte ich es gerade bei spirituellen Interpretationen für wichtig, nicht nur nach Bestätigung zu suchen.
Wenn Du denkst:
„Das gehört zu meinem Seelenplan“,
stell Dir zusätzlich vier Fragen:
Was spricht tatsächlich dafür?
Was spricht dagegen?
Würde ich dieselben Zeichen genauso interpretieren, wenn ich mir einen anderen Ausgang wünschen würde?
Und:
Macht mich diese Interpretation handlungsfähiger – oder liefert sie mir nur eine Begründung für das, was ich ohnehin tun möchte?
Gerade die letzte Frage finde ich wichtig.
Spiritualität sollte Deinen kritischen Verstand nicht ausschalten.
Ein hilfreicher spiritueller Gedanke erweitert Deine Möglichkeiten
Das ist für mich einer der wichtigsten Prüfsteine überhaupt.
Wenn eine spirituelle Erklärung dazu führt, dass Du denkst:
„Dann kann ich eben nichts machen.“
„Es ist so bestimmt.“
„Ich muss da durch.“
„Das ist mein Karma.“
dann würde ich sehr kritisch werden.
Eine hilfreiche spirituelle Sicht sollte Dir nicht Verantwortung wegnehmen.
Sie sollte Dir helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen und bewusster zu entscheiden.
Deshalb ist eine meiner wichtigsten Fragen:
Macht mich diese Erklärung handlungsfähiger – oder passiver?
Angenommen, Du erkennst:
„Grenzen sind ein wichtiges Thema meines Lebens.“
Dann wäre die Konsequenz nicht:
„Offenbar schickt mir das Leben immer wieder Menschen, die meine Grenzen überschreiten.“
Interessanter wäre:
„Was kann ich heute anders tun, wenn jemand meine Grenze überschreitet?“
Jetzt wird aus einer spirituellen Interpretation persönliche Entwicklung.
Gibt es überhaupt die eine richtige Entscheidung?
Die Vorstellung eines Seelenplans kann noch ein anderes Problem erzeugen.
Du stehst vor einer Entscheidung und denkst:
„Welcher Weg gehört zu meinem Seelenplan?“
Dahinter steckt schnell die Vorstellung, dass irgendwo bereits eine richtige Antwort existiert.
Du musst sie nur finden.
Aber wenn freier Wille tatsächlich Teil unseres Lebens ist, ergibt sich für mich eine andere Sicht.
Vielleicht gibt es nicht immer den einen Weg, den Du finden musst.
Vielleicht kannst Du unterschiedliche Wege gehen und auf ihnen unterschiedliche Erfahrungen machen.
Die Frage verändert sich dann von:
„Welche Entscheidung muss ich treffen, damit ich meinen Seelenplan nicht verpasse?“
zu:
„Welche Entscheidung entspricht dem, was ich heute erkenne, brauche und verantworten möchte?“
Das nimmt der Entscheidung nicht ihre Bedeutung.
Aber es nimmt ihr den unmöglichen Anspruch, den perfekten Lebensweg erraten zu müssen.
Wenn Du gerade genau an so einem Punkt stehst und trotz Nachdenken nicht weiterkommst, findest Du in meinem Artikel „Warum kann ich mich nicht entscheiden? Wenn Nachdenken Dich nicht weiterbringt“ einen ausführlichen Entscheidungs-Check.
Was ist mit karmischen Beziehungen?
Der Begriff „karmische Beziehung“ wird häufig verwendet, wenn eine Verbindung besonders intensiv, schwierig oder schwer loszulassen ist.
Problematisch wird es, wenn daraus die Schlussfolgerung entsteht:
„Wenn diese Beziehung karmisch ist, muss ich bleiben, bis ich meine Aufgabe gelernt habe.“
Das sehe ich nicht so.
Nicht jede intensive Beziehung ist automatisch karmisch.
Nicht jede schwierige Begegnung ist eine spirituelle Prüfung.
Und selbst wenn eine Beziehung große Bedeutung für Deine Entwicklung hat, folgt daraus nicht, dass sie dauerhaft bestehen bleiben muss.
Vielleicht besteht die Entwicklung darin, eine Grenze zu setzen.
Vielleicht darin, Verantwortung für eigenes Verhalten zu übernehmen.
Vielleicht darin, zu vergeben – ohne zurückzugehen.
Vielleicht darin, etwas zu verstehen – ohne es zu entschuldigen.
Oder tatsächlich darin, eine Beziehung zu verlassen.
Die Bedeutung einer Begegnung und die Dauer einer Beziehung sind zwei unterschiedliche Dinge.
Hast Du Dir schwierige Erfahrungen vor Deiner Geburt ausgesucht?
Das ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Fragen rund um den Seelenplan.
Manche spirituellen Lehren beantworten sie sehr eindeutig mit Ja.
Ich halte solche absoluten Aussagen für problematisch.
Vor allem dann, wenn es um Gewalt, Missbrauch, schwere Krankheit, Verlust oder andere leidvolle Erfahrungen geht.
Denn aus:
„Meine Seele hat das gewählt“
wird schnell:
„Dann musste es passieren.“
Und daraus kann sogar werden:
„Dann bin ich irgendwie selbst dafür verantwortlich.“
Diese Schlussfolgerung lehne ich ab.
Ein Mensch, dem Gewalt angetan wird, trägt nicht die Verantwortung für das Handeln des Täters.
Niemand muss Leid dankbar als Lernchance betrachten.
Wir können manchmal nach einer Erfahrung entscheiden, wie wir mit ihr weiterleben.
Wir können etwas erkennen.
Wir können Grenzen verändern.
Wir können Entscheidungen treffen.
Wir können verhindern, dass bestimmte Erfahrungen unser gesamtes weiteres Leben bestimmen.
Das ist aber etwas völlig anderes, als zu behaupten:
„Du musstest das erleben.“
Diese Grenze ist für mich wesentlich.
Muss jede Erfahrung einen Sinn haben?
Nein.
Auch das gehört für mich zu einer erwachsenen Spiritualität.
Du musst nicht hinter allem eine Botschaft finden.
Du musst nicht jeden Zufall deuten.
Du musst nicht jede Krankheit auf ein seelisches Thema zurückführen.
Und Du musst nicht bei jeder Krise fragen:
„Warum hat mir das Universum das geschickt?“
Manchmal wissen wir nicht, warum etwas geschehen ist.
Manchmal gibt es keine Antwort, die uns zufriedenstellt.
Und manchmal entsteht Bedeutung erst später dadurch, wie wir mit einer Erfahrung weiterleben.
Vielleicht ist deshalb nicht immer die Frage:
„Welchen Sinn hatte das?“
sondern:
„Welche Bedeutung möchte ich dieser Erfahrung für mein weiteres Leben geben?“
Deinen eigenen roten Faden erkennen: eine praktische Anleitung
Wenn Du Deinen Seelenplan oder mögliche Entwicklungsthemen untersuchen möchtest, würde ich nicht damit beginnen, überall nach Zeichen zu suchen.
Beginne mit Deinem tatsächlichen Leben.
Nimm Dir dafür ruhig Papier und etwas Zeit.
Schritt 1: Sammle wiederkehrende Situationen
Welche Erfahrungen tauchen immer wieder auf?
Beziehungen?
Konflikte?
Berufliche Situationen?
Entscheidungen?
Ängste?
Schreib zunächst nur auf, was Du beobachtest.
Noch keine Interpretation.
Schritt 2: Suche das gemeinsame innere Thema
Jetzt schau nicht mehr darauf, wo etwas passiert.
Frag:
Was erlebe ich in diesen Situationen immer wieder?
Vielleicht:
„Ich fühle mich übergangen.“
„Ich habe Angst, jemanden zu enttäuschen.“
„Ich traue mir meine eigene Entscheidung nicht zu.“
„Ich übernehme zu viel Verantwortung.“
„Ich fühle mich eingeengt.“
Jetzt kommen wir tiefer.
Schritt 3: Suche nach Deinem eigenen Muster
Frag Dich:
Was tue ich selbst in diesen Situationen immer wieder ähnlich?
Nicht, um Dir Schuld zu geben.
Sondern um herauszufinden, wo Dein eigener Handlungsspielraum liegt.
Denn nur dort kannst Du etwas verändern.
Schritt 4: Suche nach dem möglichen Entwicklungsthema
Was könnte hinter dem Muster liegen?
Grenzen?
Selbstbestimmung?
Vertrauen?
Selbstachtung?
Nähe?
Loslassen?
Verantwortung?
Vielleicht findest Du nicht sofort einen Begriff.
Das musst Du auch nicht.
Wichtiger ist, dass Du den Zusammenhang erkennst.
Schritt 5: Mach die Gegenprobe
Jetzt wird es spannend.
Frag Dich:
Was passt nicht zu meiner Erklärung?
Wenn Du glaubst:
„Mein Lebensthema ist Selbstbestimmung“,
suche bewusst nach Situationen, in denen Du sehr selbstbestimmt gehandelt hast.
Wenn Du glaubst:
„Ich gerate immer an Menschen, die mich ausnutzen“,
prüfe auch Beziehungen, in denen das nicht passiert ist.
Eine gute Erklärung sollte nicht nur dadurch funktionieren, dass Du alles ausblendest, was nicht zu ihr passt.
Schritt 6: Schau auf Deine bisherige Entwicklung
Was kannst Du heute bereits anders als vor zehn oder zwanzig Jahren?
Welche Situationen bringen Dich nicht mehr aus dem Gleichgewicht?
Wo setzt Du inzwischen Grenzen?
Wo vertraust Du Dir mehr?
Das ist wichtig.
Denn Dein roter Faden besteht nicht nur aus Problemen.
Entwicklung erkennst Du auch daran, was heute kein Problem mehr ist.
Schritt 7: Frag Dich, was Dich immer wieder lebendig macht
Nicht jeder rote Faden zeigt sich durch Schwierigkeiten.
Vielleicht gibt es Interessen, Fähigkeiten oder Themen, zu denen Du immer wieder zurückkehrst.
Etwas, das Dich seit Jahrzehnten fasziniert.
Etwas, bei dem Du Zeit vergisst.
Etwas, über das Du immer wieder lernen möchtest.
Auch das kann zu Deinem Lebensweg gehören.
Schritt 8: Bring die Erkenntnis in die Gegenwart
Jetzt kommt für mich die wichtigste Frage:
Wenn dies tatsächlich eines meiner großen Entwicklungsthemen wäre – was würde sich dadurch heute konkret verändern?
Denn eine Erkenntnis, die keinerlei Einfluss auf Dein heutiges Leben hat, bleibt Theorie.
Vielleicht setzt Du eine Grenze.
Vielleicht führst Du ein Gespräch.
Vielleicht hörst Du auf, eine bestimmte Situation immer wieder zu entschuldigen.
Vielleicht erlaubst Du Dir etwas, das Du Dir bisher nicht zugetraut hast.
Vielleicht entscheidest Du Dich auch dafür, noch gar nichts zu verändern und zunächst genauer hinzuschauen.
Aber jetzt entsteht aus Erkenntnis eine Möglichkeit.
Wie kann Aset bei Fragen zum Seelenplan helfen?
Es gibt Situationen, in denen Du Deinen Lebensweg sehr gründlich betrachtet hast und trotzdem merkst:
Ich sehe den Zusammenhang nicht.
Genau hier kann eine mediale Beratung mit Aset interessant werden.
Dabei geht es nicht darum, einen geheimen Plan abzurufen, auf dem steht, was Du in diesem Leben noch erledigen musst.
Und Aset entscheidet nicht für Dich.
Interessanter sind Fragen wie:
Warum begegnet mir dieses Thema in meinem Leben immer wieder?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Erfahrungen, den ich selbst bisher nicht erkannt habe?
Was übersehe ich in meiner aktuellen Situation?
Was kann ich aus einer bestimmten Erfahrung über mich erkennen?
Warum fällt mir eine bestimmte Veränderung so schwer?
Oder:
Welches Thema liegt möglicherweise hinter meiner eigentlichen Frage?
Eine hilfreiche mediale Information beantwortet für mich deshalb nicht:
„Was muss ich tun?“
Sie kann Dir vielmehr helfen zu verstehen:
„Was kann ich erkennen, damit ich selbst bewusster entscheiden kann?“
Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Denn auch wenn eine Information aus der geistigen Welt kommt, bleibt es Dein Leben und Deine Entscheidung.
Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, wie ich gemeinsam mit Aset arbeite, findest Du hier alle Informationen zur Medialen Beratung mit Aset.
Seelenplan oder Lebensgeschichte – muss ich mich entscheiden?
Nein.
Ich finde es sogar hilfreich, verschiedene Ebenen auseinanderzuhalten.
Die spirituelle Ebene fragt:
Könnte mein Leben größere Entwicklungsthemen enthalten?
Die psychologische Ebene fragt:
Wie prägen meine Erfahrungen meine Persönlichkeit, meine Entscheidungen und die Geschichte, die ich über mich selbst erzähle?
Und die praktische Ebene fragt:
Was mache ich heute daraus?
Du kannst an einen Seelenplan glauben und trotzdem psychologische Zusammenhänge ernst nehmen.
Du kannst ein wiederkehrendes Muster untersuchen, ohne es sofort „karmisch“ zu nennen.
Du kannst einer Erfahrung spirituelle Bedeutung geben und gleichzeitig akzeptieren, dass Du diese Bedeutung nicht beweisen kannst.
Für mich gehört genau das zu einer erwachsenen Spiritualität:
offen bleiben, ohne den kritischen Verstand abzugeben.
Seelenplan bedeutet für mich nicht Schicksal
Wenn ich von einem Seelenplan spreche, denke ich deshalb nicht an ein festgeschriebenes Drehbuch.
Ich denke an Entwicklungsmöglichkeiten.
An Themen, die ein Leben prägen können.
An Erfahrungen, die wir einordnen.
An Muster, die wir erkennen können.
An Entscheidungen, die wir treffen.
Und an Zusammenhänge, die wir manchmal erst sehr viel später verstehen.
Vor allem denke ich an freien Willen.
Vielleicht gibt es tatsächlich einen roten Faden durch Dein Leben.
Aber vielleicht besteht Deine Aufgabe gar nicht darin, diesen Plan vollständig zu entschlüsseln.
Vielleicht reicht es, immer wieder genauer hinzuschauen:
Was erkenne ich gerade über mich?
Was verstehe ich heute, was ich früher noch nicht verstanden habe?
Was möchte ich damit machen?
Denn selbst wenn es einen Seelenplan gibt, musst Du Dein Leben immer noch selbst leben.
Und vielleicht liegt genau darin ein wesentlicher Teil persönlicher Entwicklung:
nicht einen vorgegebenen Weg perfekt zu erfüllen,
sondern immer bewusster zu entscheiden, wie Du Deinen eigenen Weg gehst.



