Eigentlich ist gar nichts Besonderes passiert.
Der Tag war wie viele andere auch. Du hast gearbeitet, Dinge erledigt, vielleicht noch schnell etwas organisiert, eine Nachricht beantwortet und an etwas gedacht, das sonst wieder keiner auf dem Zettel gehabt hätte.
Und irgendwann am Abend ist er plötzlich da, dieser Gedanke:
So möchte ich nicht weitermachen.
Nicht zum ersten Mal. Aber diesmal lässt er sich nicht so einfach mit „Ich bin halt müde“ wegschieben.
Also denkst Du nach.
Vielleicht liegt es am Job. Der nervt Dich schließlich schon länger. Andererseits ist dort auch nicht alles schlecht.
Vielleicht brauchst Du einfach mehr Zeit für Dich. Weniger Verpflichtungen. Mehr Ruhe. Mehr Abwechslung. Oder endlich wieder etwas, auf das Du Dich freust.
Vielleicht müsste sich in Deiner Beziehung etwas verändern.
Oder Du müsstest Dich verändern.
Nach einer halben Stunde hast Du ungefähr sieben mögliche Baustellen gefunden.
Klarer ist dadurch nichts geworden.
Eher im Gegenteil.
Denn vielleicht besteht Dein Problem gerade gar nicht darin, dass Du keine Lösung findest.
Vielleicht weißt Du noch nicht genau, wofür Du eigentlich eine suchst.
Und das ist ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt für den berühmten Rat:
„Du musst einfach den ersten Schritt machen.“
Wohin denn?
Der erste Schritt braucht wenigstens eine ungefähre Richtung
Der erste Schritt hat einen ausgezeichneten Ruf.
Sobald sich etwas verändern soll, taucht er auf. Nicht so viel nachdenken. Einfach anfangen. Ins Tun kommen.
Klingt vernünftig.
Wenn Du weißt, wohin Du möchtest.
Wenn Du Deinen Job wechseln willst, kannst Du nach Stellen schauen. Wenn Du bei einer bestimmten Sache künftig Nein sagen möchtest, kannst Du überlegen, wie Du das beim nächsten Mal machst.
Wenn Du dagegen längst weißt, welches alte Verhalten Du verändern möchtest, bist Du schon einen Schritt weiter. Darum geht es in meinem Artikel „Alte Muster durchbrechen: Warum Verstehen allein oft nicht reicht“.
Aber wenn Dein einziger sicherer Gedanke gerade lautet:
„So wie es ist, will ich es nicht mehr.“
dann ist „einfach anfangen“ ungefähr so hilfreich wie der Hinweis, man müsse nur losfahren.
Ja.
Aber in welche Richtung?
Vielleicht musst Du also noch gar nicht anfangen, Dein Leben zu verändern.
Vielleicht musst Du erst einmal herausfinden, was genau daran eigentlich nicht mehr passt.
Und das kann etwas ganz anderes sein als das, worauf Du zuerst tippst.
Vielleicht ist es gar nicht der Job
Nehmen wir an, Dein erster Verdacht fällt auf die Arbeit.
Kein Wunder. Dort verbringst Du schließlich einen ordentlichen Teil Deiner Woche.
Also denkst Du:
Vielleicht brauche ich einen anderen Job.
Für einen Moment fühlt sich das sogar nach einer Antwort an.
Bis Dir auffällt, dass Du Deine Arbeit eigentlich magst.
Die Aufgabe interessiert Dich. Mit den meisten Kollegen kommst Du gut zurecht. Und wenn Dich jemand fragen würde, ob Du Deinen Beruf grundsätzlich gern machst, würdest Du wahrscheinlich Ja sagen.
Seltsam.
Warum möchtest Du dann sonntagabends den Montag trotzdem regelmäßig aus dem Kalender streichen?
Vielleicht fällt Dir die vergangene Woche wieder ein.
Montag bist Du länger geblieben, weil eine Kollegin früher wegmusste.
Mittwoch hast Du etwas übernommen, das eigentlich gar nicht Deine Aufgabe war.
Freitag kam kurz vor Feierabend noch eine Bitte. Du hattest längst etwas vor.
Du hast trotzdem Ja gesagt.
Und plötzlich sieht die Sache ein bisschen anders aus.
Vielleicht lautet das Problem gar nicht:
„Ich will diese Arbeit nicht mehr.“
Sondern:
„Ich möchte nicht mehr ständig diejenige sein, die alles auffängt.“
Das ist noch keine Lösung.
Aber endlich ist das Problem nicht mehr so riesig.
Und vor allem: Jetzt kannst Du genauer hinschauen.
Gib Deinem „So nicht mehr“ eine Adresse
„Mein Leben muss sich ändern“ ist ein ziemlich großes Paket.
Dienstag, 17.30 Uhr, ist schon interessanter.
Denn vielleicht merkst Du, dass dieses Gefühl besonders oft auftaucht, wenn wieder jemand selbstverständlich über Deine Zeit verfügt.
Oder wenn Du am Wochenende feststellst, dass Du zwar zwei freie Tage hast, aber keine einzige Stunde wirklich Dir gehört.
Vielleicht taucht es immer dann auf, wenn Du etwas zusagst, obwohl in Dir längst alles Nein sagt.
Oder genau andersherum: wenn endlich niemand etwas von Dir will und Du merkst, dass Du kaum noch weißt, was Du selbst eigentlich möchtest.
Das sind keine Kleinigkeiten.
Das sind Hinweise.
Denn aus
„Ich muss mein Leben verändern“
kann plötzlich werden:
„Ich möchte herausfinden, warum ich meine eigenen Pläne immer wieder zurückstelle, sobald jemand anderes etwas von mir braucht.“
Das klingt kleiner.
Zum Glück.
Mit einer solchen Frage lässt sich nämlich wesentlich mehr anfangen als mit dem Großprojekt „Neues Leben“.
Auch in etablierten Problemlösungsansätzen kommt die konkrete Problemklärung vor der Suche nach Lösungen. Klingt fast banal – wird im Alltag aber gern übersprungen. Wir sind schließlich ziemlich schnell darin, Lösungen für Dinge zu suchen, die wir noch gar nicht richtig benannt haben.
Nun weißt Du vielleicht genauer, wo es hakt.
Aber damit ist die nächste Frage noch nicht beantwortet:
Was soll dort eigentlich anders werden?
Du musst noch nicht wissen, was Du stattdessen willst
Auch darauf muss nicht sofort die große Antwort kommen.
Manchmal zeigt sich die Richtung erst, wenn Du genauer hinschaust.
Vielleicht möchtest Du gar nicht „weniger Verantwortung“.
Du möchtest nur nicht mehr für alles zuständig sein.
Vielleicht willst Du nicht unbedingt „mehr Freizeit“.
Du möchtest Zeit haben, über die nicht schon jemand anderes verfügt.
Vielleicht brauchst Du auch keinen komplett neuen Beruf.
Du möchtest wieder mehr Einfluss darauf haben, wie Du Deinen Arbeitstag gestaltest.
Das ist etwas anderes.
Und plötzlich geht es nicht mehr darum, Dein komplettes Leben neu aufzubauen.
Sondern darum, genauer zu verstehen, wovon Du weniger und wovon Du mehr möchtest.
Weniger ständig verfügbar sein.
Mehr Zeit selbst bestimmen.
Weniger Dinge tun, nur weil sie von Dir erwartet werden.
Mehr von dem, was Dir selbst wichtig ist.
Und da wird es manchmal ein bisschen unbequem.
Denn nicht alles, was Du glaubst wollen zu müssen, willst Du auch wirklich selbst.
Forschung zu persönlichen Zielen deutet darauf hin, dass Menschen eher an Zielen dranbleiben, die stärker zu ihren eigenen Interessen und persönlichen Werten passen.
Für den Alltag reicht daraus eigentlich eine ziemlich einfache Frage:
Will ich das selbst – oder glaube ich, dass ich es wollen sollte?
Vielleicht wird Deine Richtung dadurch schon klarer.
Nur gibt es da noch jemanden, der bei schönen Veränderungsplänen gern ein Wörtchen mitredet:
das echte Leben.
Und dann meldet sich das echte Leben
Vielleicht möchtest Du beruflich kürzertreten, brauchst aber Dein Einkommen.
Vielleicht möchtest Du Deiner Mutter nicht mehr dreimal pro Woche alles abnehmen, weißt aber gleichzeitig, dass sie Unterstützung braucht.
Vielleicht möchtest Du in Deiner Beziehung mehr Raum für Dich und trotzdem Nähe.
Blöd nur, dass wir selten immer nur eine Sache wollen.
Du kannst Freiheit wollen und Sicherheit.
Nähe und Ruhe.
Verantwortung übernehmen und trotzdem nicht ständig verfügbar sein.
Manche Wünsche passen problemlos nebeneinander.
Andere treten sich gegenseitig auf die Füße.
Auch die Forschung zu Zielkonflikten zeigt, dass konkurrierende persönliche Ziele Spannung erzeugen können. Das erklärt natürlich nicht Deine persönliche Situation. Aber es zeigt: Wenn Du zwei Dinge gleichzeitig willst, bist Du nicht automatisch unentschlossen.
Vielleicht sind Dir einfach beide wichtig.
Dann hilft es wenig, einen Wunsch zum einzig richtigen zu erklären und den anderen so lange unter den Teppich zu schieben, bis er dort wieder hervorkrabbelt.
Interessanter ist:
Wie viel Veränderung ist unter Deinen tatsächlichen Bedingungen möglich?
Denn ein sinnvoller erster Schritt muss nicht nur zu Deinem Wunsch passen.
Er muss auch zu Deinem Leben passen.
Und manchmal merkst Du genau an diesem Punkt: Bevor ich überhaupt etwas entscheiden kann, fehlt mir noch etwas.
Vielleicht brauchst Du noch gar keine Entscheidung
Bleiben wir bei der Arbeit.
Du hast inzwischen gemerkt, dass Dich weniger der Beruf selbst stört als die Tatsache, dass Du immer wieder zusätzlich einspringst.
Jetzt könntest Du beschließen:
Ab morgen sage ich Nein.
Kann funktionieren.
Muss aber nicht.
Denn noch weißt Du vielleicht gar nicht, warum Du so oft Ja sagst.
Weil Du andere nicht hängen lassen möchtest?
Weil Du befürchtest, als unkollegial zu gelten?
Weil Du es seit Jahren so machst und es längst selbstverständlich geworden ist?
Oder weil tatsächlich niemand da ist, der die Aufgabe sonst übernehmen könnte?
Das macht einen Unterschied.
Im ersten Fall geht es vielleicht um Deine eigenen Erwartungen an Dich.
Im letzten um ein ziemlich handfestes organisatorisches Problem.
Dasselbe „Ich sage ständig Ja“ kann also einen völlig anderen nächsten Schritt brauchen.
Vielleicht ein Gespräch.
Vielleicht eine Information.
Vielleicht ein paar Tage genaueres Beobachten.
Oder Du probierst einmal eine kleine Sache anders aus und schaust, was wirklich passiert.
Nicht einfach irgendetwas tun, damit Du endlich das beruhigende Gefühl hast, „in Bewegung“ zu sein.
Beschäftigt sein kann man sich schließlich auch hervorragend im Kreis.
Der erste Schritt bekommt damit eine ganz andere Aufgabe.
Er soll noch nicht alles verändern.
Er soll Dir etwas zeigen.
Woran Du einen brauchbaren ersten Schritt erkennst
Vielleicht ist das die nützlichste Frage für diesen ganzen Artikel:
Weiß ich nach diesem Schritt etwas, das ich vorher noch nicht wusste?
Wenn Du herausfinden möchtest, ob weniger Arbeitszeit überhaupt realistisch wäre, kann der erste Schritt eine nüchterne Rechnung sein.
Wenn Du nicht weißt, ob Dich Deine Arbeit oder die ständige Mehrbelastung nervt, kannst Du eine Woche genauer hinschauen, wann Dein Frust besonders groß wird.
Und wenn Du merkst, dass in Deiner Beziehung etwas fehlt, aber selbst noch kaum benennen kannst, was, bringt ein Gespräch wahrscheinlich mehr als der vierte Abend mit Dir selbst und denselben Gedanken.
Der erste Schritt muss Dein Problem nicht lösen.
Er sollte nur dafür sorgen, dass Du danach etwas klarer siehst.
Das nimmt ihm übrigens einiges von seinem berühmten Pathos.
Er muss nicht mutig aussehen, niemanden beeindrucken und schon gar nicht Dein ganzes Leben auf den Kopf stellen.
Manchmal reicht es völlig, wenn er die nächste vernünftige Frage sichtbar macht.
Du brauchst noch keinen Plan für Dein neues Leben
Vielleicht hast Du diesen Artikel mit einem ziemlich großen Satz begonnen:
„Ich weiß, dass sich etwas ändern muss.“
Dann musst Du jetzt keinen fertigen Plan haben.
Vielleicht reicht vorerst ein kleinerer, genauerer Satz.
Zum Beispiel:
„Ich möchte herausfinden, warum ich meine eigene Zeit immer wieder hintenanstelle.“
Oder:
„Ich will verstehen, ob ich wirklich meinen Job verändern möchte – oder die Art, wie ich dort arbeite.“
Oder:
„Ich möchte genauer wissen, was mir in meinem Alltag eigentlich fehlt.“
Damit ist noch nichts fertig.
Aber das Problem hat eine Adresse bekommen.
Und der berühmte erste Schritt, mit dem wir angefangen haben?
Der muss auf einmal gar nicht mehr Dein Leben verändern.
Er muss nur zur richtigen nächsten Frage führen.
Und mit dieser Frage kannst Du selbst weitergehen.
Du kannst beobachten, ein Gespräch führen, etwas ausprobieren oder Dir die Information besorgen, die Dir noch fehlt.
Manchmal reicht genau das.
Und manchmal merkst Du trotz allem:
Ich komme an diesem Punkt allein nicht weiter.
Wenn Du trotzdem nicht erkennst, wo es eigentlich hakt
Vielleicht hast Du inzwischen ziemlich genau verstanden, wann dieses ungute Gefühl auftaucht und was Du eigentlich verändern möchtest.
Und trotzdem bleibt etwas offen.
Vielleicht verstehst Du nicht, warum Du immer wieder an derselben Stelle hängen bleibst.
Vielleicht gibt es mehrere Dinge, die zusammenzuhängen scheinen, aber Du bekommst sie nicht zusammen.
Oder Du hast inzwischen drei durchaus vernünftige Möglichkeiten vor Dir – und jede Betrachtung führt Dich wieder an denselben Ausgangspunkt zurück.
Dann fehlt Dir vielleicht nicht noch eine weitere Runde Nachdenken.
Vielleicht fehlt Dir eine Perspektive, die Du von Deinem eigenen Standpunkt aus gerade nicht hast.
Ich stelle mir das gern wie eine Stadt vor.
Wenn Du mitten darin an einer Kreuzung stehst, siehst Du die Straßen um Dich herum. Vielleicht noch die nächste Kreuzung.
Was Du nicht siehst, ist, welche Straßen sich hinter den Häusern wieder treffen oder welche Verbindung von Deinem Standort aus gar nicht erkennbar ist.
Von oben wird daraus keine andere Stadt.
Aber Du siehst mehr davon.
In meiner medialen Beratung mit Aset kommt diese zusätzliche Perspektive von Aset, meinem Guide aus der geistigen Welt.
Dabei übermittle ich Dir nicht hinterher irgendwelche Botschaften. Du sprichst direkt mit Aset, der durch mich spricht. Du kannst nachfragen, widersprechen oder einen Punkt genauer erklären lassen, wenn Dir etwas noch nicht klar ist.
Gerade wenn Du zwar spürst, dass sich etwas verändern muss, aber trotz eigener Überlegungen nicht erkennst, was Dich festhält, welche Dinge miteinander zusammenhängen oder wo für Dich ein sinnvoller Ansatz liegen könnte, kann dieses Gespräch eine zusätzliche Sicht auf Deine persönliche Situation eröffnen.
Dabei können auch Möglichkeiten, Fähigkeiten und Stärken sichtbar werden, die Du selbst gerade kaum wahrnimmst.
Aset entscheidet trotzdem nicht, welchen Weg Du nehmen sollst.
Denn mehr zu sehen und selbst zu entscheiden, was Du daraus machst, sind zwei verschiedene Dinge.
Wenn Du an genau diesem Punkt stehst und Dir eine andere Perspektive auf Deine Situation wünschst, findest Du hier mehr über meine mediale Beratung mit Aset.
Quellen und weiterführende Forschung
Sheldon, K. M. & Elliot, A. J. (1999): Goal Striving, Need Satisfaction, and Longitudinal Well-Being: The Self-Concordance Model. Journal of Personality and Social Psychology, 76(3), 482–497. Studie bei PubMed
Gray, J. S., Ozer, D. J. & Rosenthal, R. (2017): Goal conflict and psychological well-being: A meta-analysis. Journal of Research in Personality, 66, 27–37. Studie über DOI
American Psychological Association: Problem-solving therapy – zur strukturierten Problemklärung und Problemlösung. APA Dictionary of Psychology



