Wenn jemand freiwillig aus dem Leben geht
Was geschieht, wenn ein Mensch sein Leben selbst beendet?
In dieser medialen Kommunikation spricht ein verstorbener Mann über genau diese Erfahrung. Wir kennen seinen Namen nicht und wissen nichts über sein früheres Leben. Er meldete sich, weil er über seinen eigenen Suizid sprechen und seine Erfahrungen aus der geistigen Welt mit uns teilen wollte.
Es ist eine ungewöhnlich klare und zugleich sehr persönliche Kommunikation. Er erzählt von seiner damaligen Verzweiflung, von dem Moment, in dem er erkannte, dass sein Bewusstsein mit seinem Tod nicht aufgehört hatte, und davon, wie sich sein Verständnis für sein Leben und seine Entscheidung in der geistigen Welt verändert hat.
Vor allem aber möchte er mit seiner Geschichte Menschen erreichen, die vielleicht selbst keinen Ausweg mehr sehen – und Angehörige, die nach einem Suizid mit Schuldgefühlen zurückbleiben.
Hinweis: In diesem Beitrag geht es ausführlich um Suizid und Depression. Wenn Du selbst gerade darüber nachdenkst, Dir das Leben zu nehmen, bleib damit bitte nicht allein. Die TelefonSeelsorge erreichst Du in Deutschland rund um die Uhr kostenlos unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123. Bei unmittelbarer Gefahr rufe bitte 112.
„Ich konnte kein Licht am Ende sehen“
Der Mann beginnt seine Erzählung mit seinem damaligen Zustand.
Er war sehr traurig und emotional völlig niedergedrückt. Für die Situation, in der er sich befand, konnte er keinen Ausweg mehr erkennen.
Menschen in seinem Umfeld versuchten, ihm zu helfen. Doch in seiner damaligen Verfassung war er nicht mehr in der Lage, diese Möglichkeiten wahrzunehmen. Er beschreibt es selbst so, dass er kein Licht mehr am Ende sehen konnte.
An seinem schlimmsten Tag entschied er sich deshalb, sein Leben zu beenden.
Nicht, weil er zu etwas Neuem gelangen wollte, sondern weil er glaubte, dadurch all das hinter sich lassen zu können, was für ihn unerträglich geworden war: seine Probleme, seine Traurigkeit und das Gefühl, nicht gewollt zu sein.
Seine Vorstellung war einfach:
Wenn dieses Leben endet, würden auch diese Gefühle enden.
Doch genau das geschah aus seiner heutigen Sicht nicht.
Als er bemerkte, dass er noch immer da war
Nach seinem Tod erlebte der Mann etwas, womit er offensichtlich nicht gerechnet hatte.
Er nahm sich weiterhin wahr.
Sein erster Gedanke war deshalb sogar, sein Suizidversuch müsse fehlgeschlagen sein.
Er erzählt, dass er zunächst ärgerlich über sich selbst gewesen sei und darüber nachdachte, es noch einmal zu versuchen. Erst langsam bemerkte er, dass sich etwas grundlegend verändert hatte.
Er befand sich nicht mehr in seiner Wohnung. Die Umgebung war anders.
Nach und nach wurde ihm bewusst:
Er war tatsächlich gestorben – aber er selbst hatte nicht aufgehört zu existieren.
Sein Bewusstsein war weiterhin vorhanden.
Zunächst fühlte sich dieser neue Zustand für ihn leichter an. Die Schwere, die er auf der Erde empfunden hatte, war nicht mehr auf dieselbe Weise vorhanden.
Doch etwas anderes war ebenfalls noch da:
die Themen und Gefühle, von denen er geglaubt hatte, sie mit seinem Tod hinter sich lassen zu können.
Der Tod hatte seine Probleme nicht beendet
Das ist eine der zentralen Erfahrungen, die dieser Mann mit seiner Kommunikation weitergeben möchte.
Er hatte geglaubt, durch seinen Tod seinen Problemen entkommen zu können.
In der geistigen Welt erkannte er jedoch, dass dies nicht möglich war.
Er beschreibt es sehr deutlich: Was wir in unserem Leben nicht bewältigen, verschwindet nach seiner Erfahrung nicht einfach dadurch, dass der physische Körper stirbt.
Er musste sich weiterhin damit auseinandersetzen.
Und mit der Zeit kam noch etwas hinzu, das er während seiner tiefen Verzweiflung auf der Erde nicht hatte wahrnehmen können.
Er begann zu erkennen, welche Auswirkungen sein Tod auf andere Menschen gehabt hatte.
Er sah seine Familie
In der geistigen Welt wurde ihm seine Familie gezeigt.
Er sah ihre Trauer, ihre Verzweiflung und ihre gebrochenen Herzen.
Für ihn war das ein entscheidender Moment.
Während seines Lebens hatte seine eigene Not seinen gesamten Wahrnehmungsraum ausgefüllt. Nun konnte er plötzlich auch die andere Seite sehen.
Er erkannte, was seine Entscheidung bei den Menschen ausgelöst hatte, die er zurückgelassen hatte.
Damit begann für ihn eine tiefere Auseinandersetzung mit seiner eigenen Verantwortung.
Er sagt, dass wir Verantwortung nicht nur für uns selbst tragen, sondern dass unsere Handlungen auch andere Menschen berühren – Eltern, Geschwister und diejenigen, die mit uns verbunden sind.
Das Schwierige für ihn war, dass er das Geschehene nun nicht mehr verändern konnte.
Er konnte seinen Tod nicht rückgängig machen und seiner Familie den Schmerz nicht nehmen.
Seine heutige Sicht auf seine Entscheidung
Der Mann spricht sehr offen darüber, wie er seinen Suizid heute betrachtet.
Er nennt seine damalige Entscheidung falsch.
Und er verwendet auch das Wort selbstsüchtig, als er darüber spricht, dass er in seiner eigenen Verzweiflung nicht erkennen konnte, welche Folgen sein Tod für seine Familie haben würde.
Das sind deutliche Worte.
Aber es sind seine Worte über seine eigene Erfahrung und seine Erkenntnisse nach seinem Tod.
Heute sagt er:
Wenn er noch einmal wählen könnte, würde er diesen Weg nicht wieder gehen.
Er würde lieber durch die Dunkelheit, die Traurigkeit und die Schwierigkeiten seines irdischen Lebens hindurchgehen.
Denn aus seiner heutigen Perspektive hat der Suizid die Themen, vor denen er fliehen wollte, nicht beendet.
Er musste sich ihnen trotzdem stellen.
Keine Bestrafung nach einem Suizid
Bei all der Deutlichkeit, mit der der Sprecher über Verantwortung spricht, macht er gleichzeitig etwas ebenso deutlich:
Menschen, die sich das Leben nehmen, werden in der geistigen Welt nicht bestraft.
Er beschreibt keine Verurteilung.
Keine Bestrafung.
Und keinen Ort, an den ein Mensch aufgrund seines Suizids geschickt wird.
Was er beschreibt, ist vielmehr eine sehr klare Wahrnehmung des eigenen Lebens, der eigenen Gefühle und der Auswirkungen der eigenen Entscheidungen.
In der geistigen Welt, sagt er, könne man all das sehr viel deutlicher wahrnehmen.
Gerade deshalb sei die Auseinandersetzung für ihn dort sogar schwieriger gewesen.
Seine Botschaft lautet deshalb nicht, dass ein Mensch für einen Suizid bestraft wird.
Seine Botschaft lautet:
Du nimmst Dich selbst und Deine ungelösten Themen mit.
Auch in der geistigen Welt gibt es Hilfe
Und noch etwas ist für seine Erzählung wesentlich.
Er war mit dieser Erfahrung nicht allein.
In der geistigen Welt wurde ihm Hilfe angeboten.
Er beschreibt Menschen, die ihm die Hände entgegenstreckten und ihm helfen wollten.
Diese Hilfe anzunehmen war für ihn zunächst nicht einfach.
Denn nachdem er die Trauer seiner Familie und die Folgen seines Todes so klar wahrnehmen konnte, empfand er starke Schuld und Scham.
Gerade diese Gefühle machten es ihm schwer, die Hilfe anzunehmen, die vorhanden war.
Doch auch das blieb nicht für immer so.
Der Mann erzählt, dass er lernen konnte.
Sein Bewusstsein veränderte sich.
Er begann, seine Entscheidung, sein Leben und seine Erfahrungen anders zu verstehen.
Und schließlich wurde aus demjenigen, der selbst Hilfe benötigte, jemand, der anderen hilft.
Heute unterstützt er nach eigenen Aussagen Menschen, die mit ähnlichen Erfahrungen in die geistige Welt kommen. Er möchte ihnen helfen, schneller zu verstehen und mit ihrer Situation umzugehen, als es ihm selbst möglich gewesen war.
Bewusstwerdung statt Bestrafung
Vielleicht ist genau dieser Unterschied für das Verständnis seiner Kommunikation besonders wichtig.
Der Mann spricht nicht davon, dass ihm jemand von außen Schuld auferlegt hätte.
Er beschreibt einen Prozess der eigenen Erkenntnis.
Er wird sich darüber bewusst, was geschehen ist.
Er übernimmt Verantwortung für seine Entscheidung.
Und gerade diese Bewusstwerdung eröffnet ihm wiederum die Möglichkeit, sich zu verändern.
Er sagt, dass darin für ihn ein Weg liegt, bewusster zu werden und die wirkliche Bedeutung des Lebens besser zu verstehen.
Seine Entwicklung ist mit seinem Tod also keineswegs beendet.
Sie geht weiter.
Eine Botschaft an Menschen, die keinen Ausweg mehr sehen
Der Grund, warum der Mann diese Erfahrung überhaupt mitteilen möchte, wird im Verlauf der Kommunikation immer deutlicher.
Vielleicht, sagt er, könne seine Geschichte einem Menschen auf der Erde helfen.
Seine Botschaft ist eindeutig:
Suizid ist keine Lösung für die Probleme, denen wir in unserem Leben gegenüberstehen.
Nicht, weil danach eine Bestrafung wartet.
Sondern weil die Probleme nach seiner Erfahrung durch den Tod nicht verschwinden.
Er selbst glaubte, ihnen entkommen zu können.
Er erkannte später, dass er sich trotzdem mit ihnen auseinandersetzen musste – und gleichzeitig nun auch mit den Auswirkungen seines Todes auf die Menschen, die er liebte.
Deshalb sagt er aus seiner heutigen Perspektive, dass er alles dafür geben würde, noch einmal durch die Dunkelheit seines damaligen Lebens gehen zu können.
Und eine Botschaft an die Angehörigen
Zum Ende seiner Kommunikation wendet sich der Mann noch einer anderen Gruppe von Menschen zu.
Den Angehörigen.
Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben, fragen sich häufig:
Hätte ich etwas merken müssen?
Hätte ich noch etwas tun können?
Hätte ich ihn oder sie retten können?
Der Sprecher kennt diese Schuldgefühle.
Und er möchte den Angehörigen etwas mitgeben.
Wenn ein Mensch aufmerksam war, versucht hat zu helfen und alles getan hat, was ihm möglich war, kann er nicht die Verantwortung für die Entscheidung eines anderen Menschen übernehmen.
Auch die TelefonSeelsorge weist in ihren Informationen zur Suizidprävention ausdrücklich darauf hin, dass die Entscheidung eines anderen Menschen nicht in der Verantwortung der Angehörigen liegt.
Der Sprecher selbst bringt es aus seiner heutigen Perspektive sehr klar zum Ausdruck.
Die Menschen, die zurückbleiben, sollen sich nicht ihr weiteres Leben lang mit der Frage quälen, ob sie noch mehr hätten tun können.
„Passt auf Euch auf“
Seine letzten Worte richten sich noch einmal direkt an diejenigen, die seine Geschichte irgendwann hören werden.
Er bittet die Menschen, auf sich selbst achtzugeben.
Und selbst wenn das Leben sehr schwierig wird, sagt er:
Geht hindurch.
Bleibt.
Denn es ist all die Mühe wert.
Er möchte, dass Menschen verstehen, was er selbst erst nach seinem Tod erkannt hat:
Dass ein Mensch seine inneren Themen nicht dadurch zurücklässt, dass er die Erde verlässt.
Und zugleich zeigt seine eigene Geschichte noch etwas anderes.
Auch nach seiner Entscheidung wurde er nicht verstoßen.
Er wurde nicht bestraft.
Hilfe war da.
Entwicklung war möglich.
Er konnte lernen, bewusster werden und schließlich selbst anderen helfen.
Am Ende seiner Kommunikation sagt er, wie froh er darüber ist, dass er seine Geschichte und seine Erfahrungen auf diese Weise mit uns teilen durfte.
Die Originalaufnahme
Du kannst Dir hier die englische Originalaufnahme dieser medialen Kommunikation anhören.
Sie wurde am 19. Oktober 2017 aufgenommen.
Der Sprecher war mir nicht persönlich bekannt. Er kam mit dem ausdrücklichen Wunsch, über seinen eigenen Suizid und seine Erfahrungen danach zu sprechen.
Deutsche Übersetzung
Wenn Du die Kommunikation auf Deutsch mitlesen möchtest, findest Du hier die vollständige deutsche Übersetzung als PDF.